09
Apr

Wir transformieren SchoolCraft

Vor kurzem hatte ich ein faszinierendes Erlebnis: Jürgen aus unserem Team hatte die Idee, dass wir Software-Entwickler uns für eine Woche in einer Stadt einschließen und durchprogrammieren. Kein Home-Office wie sonst, sondern eine gemeinsame Coding-Woche. Er nannte es „BootCamp“. Was für eine coole Sache! 

Nun können solche tollen Ideen natürlich auftauchen, wenn die richtigen Leute im Boot sitzen. Faszinierend war aber, was dann geschah:

  • Jürgen und Claudia nahmen kurzerhand die Organisation in die Hand.
  • Karen teilt mit, dass die Leute aus dem Support dazustoßen werden. Nein, nicht um uns vom Programmieren abzuhalten. Sondern um die Gelegenheit zu nutzen, selbst Sachen zu besprechen.
  • Alex beschloss, ebenfalls zu kommen. Und eine Präsentation zum Thema „Wie ich mir Materialsuche & Co in Zukunft vorstelle“ zu halten.
  • Berenike klinkte sich ein und teilte mit, dass sie auch dabei sein wird. Berenike wohnt in Neuseeland!
  • Es kristallisierte sich heraus, dass der Freitag ein „gemeinsamer Tag“ sein wird, an dem alle Anwesenden etwas zusammen unternehmen werden.
  • Und am Ende stand auf einmal fest, dass ALLE dabei sein werden. Das gesamte Team. Obwohl wir auf der ganzen Welt verteilt sind.

Ich selbst hatte damit nichts zu tun. Ich hatte das Treffen weder angestoßen, noch koordiniert. Keine Entscheidung dazu getroffen. Niemanden eingeladen, niemanden aufgefordert. Auch Jürgen hatte das nicht so geplant. Niemand von uns hatte das so geplant. Und dennoch gibt es auf einmal ein gemeinsames Team-Treffen.

Weshalb ich das erzähle…?

Ein Sprung in die Vergangenheit…

Es ist 2018. Mich beschäftigt ein spezielles Thema.
Inzwischen ist mit klar geworden, dass wir unser Wachstum nur bedingt steuern können.

Der Worksheet Crafter verkauft sich „wie geschnitten Brot“, ob wir wollen oder nicht. Natürlich begeistert mich das. Gleichzeitig habe ich aber Bedenken, ob wir mit 15 oder 20 Leuten im Team unsere intrinsische Motivation, unseren tollen Spirit, beibehalten können. Wird SchoolCraft noch so sein, wie wir es lieben?

Und was, wenn wir mal 30 Leute werden sollten?
Benötigen wir dann Hierarchien, um noch koordiniert arbeiten zu können? Hierarchien tragen Entscheidungen nach oben. Genau das, was ich immer vermeiden wollte.

Daher schaue ich mir viele Organisationsformen an. Ich lese mich ein. Hierarchische Unternehmen, basisdemokratische, flache Hierarchien, Soziokratie, Holokratie – ein bunter Blumenstrauß an Konzepten.

Und dann stoße ich auf das Buch „Reinventing Organizations“ von Frederic Laloux.

Laloux schaute sich Organisationsformen im Detail an. Und entdeckte Unternehmen, die auf eine überraschende Weise selbstorganisiert arbeiten. Unternehmen, die weder basisdemokratisch (alle stimmen ab) noch hierarchisch (die obere Ebene entscheidet) agieren. Stattdessen ticken diese Unternehmen wie lebendige Organismen, in denen jeder Mitarbeiter alle Entscheidungen treffen kann. Jede Person ihr volles Potential entfalten kann. Sofern sie eines macht: vor der Entscheidung andere Personen um Rat fragt! 

Ich bin sofort Feuer und Flamme. Genau diesen Ansatz habe ich gesucht. Denn unbewusst gehen wir schon stark in diese Richtung. Was, wenn wir SchoolCraft zu einem selbstorganisierten Unternehmen transformieren?

Was ist ein selbstorganisiertes Unternehmen?

Ein selbstorganisiertes Unternehmen geht von einem bestimmten Menschenbild aus. Es basiert auf der Annahme, dass Mitarbeiter gute und sinnvolle Entscheidungen treffen möchten. Dass sie sich einbringen und etwas im Sinne des Unternehmens bewirken möchten

Gleichzeitig setzt es voraus, dass die Leute nicht (nur) wegen des Geldes arbeiten. Es muss auch ein tieferer Sinn vorhanden sein. Etwas, an das alle im Unternehmen glauben. Wofür es sich lohnt, sich einzusetzen. Und genau das war bei SchoolCraft doch schon von Beginn an verankert. Es ist die DNA unseres Unternehmens. 

Ein selbstorganisiertes Unternehmen möchte, laut Laloux, dafür sorgen, dass jede Person im Unternehmen ihr volles Potential entfalten kann. Wie weit man bei dieser Potentialentfaltung geht, legt jeder für sich selbst fest, und zwar immer wieder auf’s Neue. Die einen möchten vielleicht nicht sooooo viel entscheiden. Andere würden aber am liebsten Berge versetzen. Beides soll möglich sein. Und die Entscheidungsfindung über den Beratungsprozess ist die Grundlage dafür.

Herbst 2019

Es dauerte über ein Jahr, bis ich meine Gedanken ausreichend sortiert und genügend Sicherheit gefunden hatte. Für mich als Gründer würde die Transformation zu einem selbstorganisierten Unternehmen bedeuten, dass ich mich selbst „entmachte“. Zumindest auf den ersten Blick – inzwischen sehe ich das anders. Jedenfalls nahm ich mir alle Zeit, die ich brauchte, um darüber nachzudenken.

Hier seht ihr ein paar der Notizen, die ich mir bei der Lektüre gemacht habe

Nach vielen Büchern, Videos, Coaching-Runden und Überlegungen war ich mir absolut sicher, dass ich den Weg gehen wollte. Und ich fasste den Entschluss, die Idee im Team vorzustellen. Bei unserem Team-Treffen am Comer See bot sich dafür die perfekte Gelegenheit. Und um ehrlich zu sein war ich dabei ganz schön aufgeregt. Die Idee ist so ungewöhnlich und kann zu so spürbaren Veränderungen führen, dass ich keine Ahnung hatte, ob die anderen im Team das überhaupt möchten. Oder die Idee noch am Comer See verrissen und versenkt wird.

Wir machen uns auf den Weg!

Und wieder einmal hat mich unser Team überrascht. Ja, wir hatten eine sehr intensive Diskussion an diesem Abend am Comer See. Bis spät in die Nacht hinein. Es stand jedoch sehr schnell fest, dass die Begeisterung für die Idee da ist. Und nicht nur ein wenig, sondern richtig heftig! Natürlich gab und gibt es auch Bedenken. Alles andere wäre seltsam und verblendet.

Wir haben uns noch im November zusammengesetzt, und überlegt, wie wir die Transformation angehen. Um nichts zu überstürzen, möchten wir zuerst einige Vorbereitungen treffen. Themen erarbeiten, die uns auf dem Weg in die Selbstorganisation helfen werden. Fragestellung angehen, die wir – um ehrlich zu sein – schon längst hätten angehen können.

So kam es, dass wir im November drei Gruppen gebildet haben. Jede Gruppe hatte sich vorgenommen, zu einem Thema einen konkreten Vorschlag zu erarbeiten:

  1. Benötigen wir für die Selbstorganisation unternehmensweite Ziele, um an einem Strang zu ziehen?
  2. Wie gehen wir mit Konflikten um, falls durch größere Entscheidungsfreiheit plötzlich mehr auftreten?
  3. Wie gestalten wir künftig Feedback-Gespräche, wenn weniger über meinen Tisch läuft?

Bis Mitte Januar wollten wir für alle drei Themen einen konkreten Plan haben. Als Vorbereitung für die Selbstorganisation. Und tatsächlich: Die drei Pläne stehen! Wenn auch teilweise anders als wir zuerst annahmen. 🙂

Da war doch was…das BootCamp!

Und in all dem Trubel, bei all der vielen Konzept-Arbeit, platzt auf einmal unser BootCamp herein. Entsteht ein komplettes Team-Treffen.
Obwohl wir allesamt durch unsere Arbeit am Worksheet Crafter und die Vorbereitungen der Selbstorganisation schon mehr als ausgelastet sind.

Und das alles aus dem Nichts, nicht vorab geplant, einfach… selbstorganisiert.

Versteht ihr jetzt, warum ich so fasziniert davon bin?

Wie geht es weiter?

Wir sind aktuell mitten auf der Reise. Einige Dinge möchte wir noch vorbereiten, bevor wir mit der Umstellung des Entscheidungsprozesses den Sprung ins kalte Wasser wagen. Aber die ersten Schritte hin zum selbstorganisierten Unternehmen fühlen sich jetzt schon richtig und total gut an! Ok, definitiv ist es auch ein Abenteuer. Aber eben eines, das zu uns passt.

Wir erzählen euch demnächst hier mehr davon. Über unsere Schritte, unsere Reise und unsere Erkenntnisse. Denn wir sind selbst total gespannt, wie es weitergeht. Und hoffen, dass es auch für euch spannend ist, uns bei dieser Veränderung  zu begleiten. Lasst uns doch wissen, was ihr darüber denkt. Wir freuen uns über jegliche Rückmeldung von euch, gerne auch hier im Blog.

Abgelegt unter: Neuigkeiten, Selbstorganisation

3 Kommentare

3 Antworten zu „Wir transformieren SchoolCraft”

  1. Lisa sagt:

    Sehr gewagte Entscheidung. Klingt aber total sinnvoll und spannend. Viel Erfolg dabei. So manch ein nicht funktionierendes Kollegium könnte sich von der Idee inspirieren lassen…

    1. Romy sagt:

      Hey Lisa,

      das Gute ist, dass bei selbstorganisierten Unternehmen wirklich jede/r Einzelne das Maß an Abenteuer selbst festlegt. Aber du hast recht, ein bisschen Mut gehört natürlich dazu, wenn man die „Hauptstraße“ verlässt. Denn unbekanntes Terrain zu betreten ist ein Wagnis, manchmal mit Umwegen verbunden und hin und wieder stellt man vielleicht sogar fest, dass man dabei eine falsche Abbiegung genommen hat. Dann muss man ein paar Meter zurücklaufen. Es kann aber auch passieren,dass man dadurch etwas Schönes entdeckt, auf das man ohne den Umweg nie gestoßen wäre. Ich glaub, genau darin liegt auch ein Teil des Zaubers.
      Wir wollen euch hier ganz offen von all diesen Dinge erzählen – von unseren Erfolgen, aber auch von den Umwegen (und den Dingen, die wir dabei entdecken und lernen!)
      Und wer weiß…vielleicht inspiriert das am Ende sogar auch ein paar Menschen, die eigentlich gar nicht so abenteuerlich sind! 😉

      Liebe Grüße
      Romy & der Rest der Bande

    2. Fabian Roeken sagt:

      Hi Lisa,

      vielen Dank für deinen netten Kommentar!

      Es ist genau wie Romy sagt: wir verlassen die Hauptstraße. Für mich fühlt es sich an wie ein Abenteuer, weniger wie etwas Riskantes. Zum einen, da wir schon immer sehr in „Selbstverantwortung“ ticken. Und zum anderen, da es schon schöne Beispiele für selbstorganisierte Unternehmen gibt. Nicht viele, aber es gibt sie. 🙂

      Liebe Grüße,
      Fabian

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