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Mrz

Wir sind Worksheet Crafter – ein Gespräch mit Katrin

Romy: Hey Katrin, ich freu mich, dass du Zeit gefunden hast zu plaudern. Gerade ist bei uns ja ganz schön viel los. Bevor ich dich gleich mit jeder Menge Fragen zu deiner Arbeit löchere, würde ich aber gerne erst ein bisschen mehr von dir als Mensch erfahren. Lass uns doch mal einen Moment gemeinsam spinnen: Wenn du die Möglichkeit hättest, eine berühmte Person zum Tee einzuladen, wen würdest du darum bitten und warum?

Katrin: Hey Romy, da kann ich doch bestimmt auch zwei Menschen einladen, oder? Ich kann mich nämlich nicht entscheiden. Auf jeden Fall müsste William Shakespeare an meinem Teetisch sitzen. Ich finde es faszinierend, mit welcher Beobachtungsgabe er die Welt gesehen und beschrieben hat. Egal ob Geschichte, Drama, Liebe oder Komödie – man kann immer darauf zurückgreifen. 

Die zweite Person ist Emma Watson, also die Schauspielerin, die Hermione Granger in den Harry Potter Filmen spielt. Ich glaube, sie ist einfach eine sehr interessante Persönlichkeit die sich für viele Gesellschaftsthemen stark macht, belesen wirkt und noch ne ordentliche Portion Humor an den Tisch bringt. 😀 

Oh, ja, ich bin auch ein Fan von Emma. Besonders von ihrem Lesezirkel Our Shared Shelf bin ich total angetan. Da hab ich schon einige interessante Bücher und tolle Autorinnen entdeckt und empfehle die Plattform häufiger weiter. Wo wir gerade bei dem Thema sind: Mit Josa und Alex haben wir ja zwei echte Bücherwürmer im Team. Liest du eigentlich auch gerne? Und wenn ja, was?

Katrin: Ich lese für mein Leben gerne! Mein Geschmack ist dabei sehr breit gefächert – ich lese von Fantasy über Science Fiction bis hin zu Biografien, Jugendbüchern, Krimis und Klassikern eigentlich alles.

Zur Zeit steckt meine Nase mal wieder in Science Fiction – The Poppy War von R.F. Kuang (hab ich übrigens auch auf Our Shared Shelf entdeckt :D) und Paris. New York. Alteiselfing von Hannes Ringelstetter liegen grad auf meinem Nachttisch bzw. werden mir erzählt. Ich bin nämlich auch fleißiger Hörbuch-Hörer. Deswegen lausche ich aktuell auch noch How to be right von James O’Brien, einem super Radiomoderator von LBC Radio. Also du siehst, ein bisschen von allem. 

Romy (grinst): Dann haben wir etwas gemeinsam. Ich finde, es gibt so viel gute Literatur, dass es mir gar nicht möglich ist, mich auf ein bestimmtes Genre festzulegen. Ein bisschen eindeutiger lässt sich aber wahrscheinlich meine nächste Frage beantworten: Was machst du genau beim Worksheet Crafter?

Katrin: Zum einen erstelle ich die Beispiel-Materialien für die Materialpakete, um unseren KundInnen zu zeigen, was in den neuen Paketen alles drin steckt. Zum anderen arbeite ich jetzt seit einiger Zeit auch enger mit Alex und Lisa zusammen und schnuppere in den ganzen Prozess der Materialpaket-Entwicklung hinein. Außerdem erstelle ich immer wieder Arbeitshefte oder Lernkarteien zu bestimmten Themen oder Fachbereichen.

Also steckst du hinter den Materialien, die wir auf der Webseite und Social Media teilen. Sag mal, was zeichnet denn ein gutes Arbeitsblatt eigentlich aus?

Katrin: Ein gutes Arbeitsblatt sollte übersichtlich und gut strukturiert gestaltet sein. Gleichzeitig soll es aber auch Lust aufs Arbeiten machen. Darin besteht häufig eine Gradwanderung – wieviel Design ist zu viel? Letztendlich kommt es immer auf die Zielgruppe und den Arbeitsanlass an: Arbeitsmaterial für Kinder mit besonderem Förderbedarf sollte eher klar sein und ohne Schnörksel auskommen, da dies oft vom Inhalt ablenkt.
Freiarbeitsmaterial zu bestimmten Themen, zum Beispiel Weihnachten kann aber schon etwas ansprechende Verzierung vertragen.

Das Schöne am Worksheet Crafter ist ja aber, dass Lehrkräfte die Arbeitsblätter exakt auf die individuellen Bedürfnisse ihrer SchülerInnen abstimmen können. Das heißt, man muss das Rad gar nicht immer neu erfinden, sondern kann auch schnell vorhandene Materialien für die eigene Klasse modifizieren.

Jetzt bastelst du ja aber nicht nur die Beispielmaterialien für die Pakete, sondern auch Arbeitshefte & Co. Woher nimmst du die Inspiration dafür?

Katrin: Oft ergibt sich das aus dem Thema – aber auch Gespräche mit Kollegen an der Schule, zum Beispiel beim Frühstückskaffee im Lehrerzimmer, bringen mich auf viele neue Ideen. Und dann ist da auch noch meine eigene Klasse, die mir mehr als genug Ideen liefert. Ich frage oft die Kinder, was sie sich wünschen.

Cool! Eine Lehrerin, die mich bei solchen Fragen direkt mit einbezieht, hätte ich als Kind auch gerne gehabt! Eben hast du es ja schon verraten, du bist nicht nur Materialbastlerin sondern unterrichtest auch noch selbst. Wie sieht dein Alltag in der Schule denn aus?

Der fängt mit dem morgendlichen Kollegenplausch an. Ich unterrichte derzeit in Bayern eine jahrgangsgemischte 1.-2. Klasse und da fängt jeder Morgen mit einer Freiarbeitsphase an, die ich dazu nutze, jedes Kind zu begrüßen und mit einzelnen oder Kleingruppen den Tag und ihre Aufgaben zu besprechen.

Mein Schulhund Finn begleitet mich dabei oft. Nach dem Unterricht gibt es entweder noch Teamgespräche oder ich nutze die Mittagszeit für einen ausgiebigen Spaziergang. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, meine Nachmittage flexibel zu gestalten und so kann es passieren, dass ich erst draußen möglichst lange die Sonne genieße und dann eher abends noch den Schreibtisch hüte.

Ja, so eine Flexiblität ist klasse. Noch toller ist natürlich, dass deine Schule offen dafür ist, dass du Finn als Therapiehund mitbringen kannst. Ich weiß von einigen LehrerInnen aus meinen Bekanntenkreis, dass sowas vielerorts oft kritisch gesehen wird, so nach dem Motto „Tiere haben an einer Schule nichts verloren.“ Wie war das bei dir? Bist du direkt auf offene Ohren gestoßen, oder musstest du da auch erst mal ein bisschen Überzeugungsarbeit bei euch leisten? 

Katrin: Ich hatte an meiner Schule wirklich großes Glück. Die Idee für einen Schulhund hatte ich bereits beim Einstellungsgespräch angebracht und bin sofort auf offene Ohren gestoßen. Dann ging die Suche los: der passende Hund, zur passenden Zeit und die richtige Ausbildung mussten gefunden werden. Nach etwa zwei Jahren kam alles perfekt zusammen – genug Zeit also auch, um Kollegen und Eltern von der Idee zu überzeugen.

Einige der wichtigsten Argumente, die ich immer wieder anbringe, sind die Förderung der sozialen und emotionalen Fähigkeiten der Kinder. Sie lernen Empathie und Verantwortungsgefühl, Angst und Stress werden abgebaut, das Arbeitsklima verändert sich positiv, die Konzentration wird gesteigert und für viele verhaltens- oder auch lernauffällige Kinder macht Schule wieder mehr Freude mit Hund.

Als Finn dann kam, ging’s recht schnell los mit der Ausbildung. Ich habe mich gegen eine reine Schulhund- und für eine Therapiehundausbildung entschieden, da ich mir davon mehr interdisziplinären Input versprochen habe und muss sagen: Es war genau die richtige Wahl. Nach zwei Jahren Ausbildung dann die Prüfung. Ich würde jedem raten, der sich für das Thema interessiert, sich viel Zeit zu lassen für Recherche und Ausbildung. Ein guter Startplatz hierfür ist z.B. der Arbeitskreis Schulhunde Bayern e.V. (bei dem ich übrigens kein aktives Mitglied bin, deren Arbeit aber wirklich eine Vorreiterrolle einnimmt).

Inwiefern hat sich durch Finn denn dann dein Unterricht verändert?

Mein Unterricht selbst hat sich durch Finn nur wenig verändert. Er hilft mir oft bei der Einführung wichtiger neuer Inhalte, die ich mit Kleingruppen erarbeite. Dabei motiviert er die Kinder, indem er zum Beispiel bei einem Spiel den Würfel stupst oder in seiner Tasche etwas mitbringt, dass für das neue Thema wichtig ist. Die Kinder freuen sich immer sehr, wenn er mit eingebunden wird.

Auch als Lesehund setze ich ihn häufiger ein: Unsichere Kinder lesen ihm gerne vor, da er völlig wertfrei einfach da ist und zuhört. Meistens mit seiner Schnauze auf dem Schoß – oft schläft er dabei auch ruhig ein. Die Kinder werden dadurch sicherer und selbstbewusster. 

Wirklich doll verändert hat sich aber die Grundstimmung, nicht nur in meiner Klasse, sondern an der ganzen Schule. Die Kinder sind sehr rücksichtsvoll geworden, die Lautstärke reguliert sich durch Finns Anwesenheit zum Beispiel von selbst. Durch seine sensible Art wird den Kindern sofort ihr Verhalten gespiegelt – sowohl positiv als auch negativ. Sind sie laut, versteckt sich Finn, sind sie leise und sanft, will er gestreichelt werden. Es gibt unzählige Beispiele, welche Wirkung er auf die gesamte Schule hat.

Wenn Hunde wie Finn nicht nur die zurückhaltenden Kinder stärken, sondern auch spürbar die allgemeine Empathie & Rücksichtnahme an einer Schule fördern, dann sollten wirklich mehr Fellnasen ins Klassenzimmer. Bevor du an deine jetzige Schule gekommen bist, hast du auch einige Jahre im Ausland unterrichtet. Ist Schule in England eigentlich anders als bei uns?

Ganz anders. Wobei es dort auch laut ist. 😀 Das Ganztagssystem in England heißt, dass man tatsächlich den ganzen Tag mit seinen Schülern verbringt. Dieses 45 Minuten Lehrerstundenprinzip gibt es zumindest in der Grundschule nicht. Dadurch sind die Tage etwas entspannter und man hat nicht das Gefühl, ständig hetzen zu müssen. Durch die 6 stufige Grundschule In England fällt auch der Übertrittsdruck weg, den es hier oft schon ab der 3. Klasse gibt. Außerdem haben die Schulen dort regelmäßige Schulversammlungen, viele Theater- und Musikauftritte und häufig auch keine Hausaufgaben.

Das klingt irgendwie schön: weniger Druck, dafür mehr Miteinander. Das wünsch ich mir auch für uns hier in Deutschland, gar nicht mal nur in Bezug auf die Schule. Lass uns aber doch noch mal zurück ins Hier und Jetzt gehen. Welche Materialien gestaltest du am liebsten? 

Arbeitsblätter, die nicht einfach nur zum Ausfüllen sind, sondern die die Kinder dazu anregen selbst etwas zu erforschen, auszuprobieren oder zu gestalten. Wenn man Tablets im Unterricht zur Verfügung hat, dann würde ich die Jahreszeitenarbeitshefte für Frühling, Sommer oder Herbst empfehlen. Darin sind einige Seiten mit weiterführenden QR-Codes enthalten, die die Kinder zum Basteln oder Forschen anregen.

Außerdem empfehle ich auf jeden Fall unsere Kartei zur Radfahrprüfung, mit der die Kinder viele Verkehrssituationen richtig lösen müssen. Toll ist dazu auch die Übungskartei rund ums Fahrrad, mit der die Kinder die Fahrradteile genauer kennenlernen. Und für DaZ-Gruppen eignet sich auch unsere Möbelkartei ganz gut mit vielen verschiedenen Übungsformen zum Vokabellernen. 

Mittlerweile gibt es über 100 Materialpakete in der Materialbörse. Welches dieser Pakete nutzt du immer wieder?

Das ist echt eine schwierige Frage, es kommt ja immer auf das Thema an, zu dem ich etwas vorbereite. Das neue Grundwortschatzpaket finde ich sehr nützlich, weil ich da einfach viele Bilder finde, die ich für verschiedene Rechtschreibprobleme brauche. Auch die Verben und Kinderpakete finden bei mir ständig Verwendung. Vor allem wenn ich Lernbausteine zu einem Themengebiet bastle, nutze ich die Lachenden Kinder häufig als Erklärer.

Das ist ne richtig coole Idee, Katrin. Du arbeitest ja auch quasi täglich mit dem Worksheet Crafter, da hast du doch bestimmt noch einen praktischen Anwendungstipp für uns, oder? 

Ja, einzelne Textfelder zu verwenden anstatt ein großes Textfeld. Man kann dann nämlich alles viel flexibler auf dem Arbeitsblatt platzieren. Eine andere Funktion, ohne die ich nicht mehr auskomme, die ich selbst aber erst sehr spät entdeckt habe, ist die „Ausrichte-Funktion“. Die ist echt nützlich. Auch der Button daneben zum gleichmäßigen Verteilen von Objekten ist bei mir in ständigem Einsatz.

Und wenn du dir eine neue Funktion für den WsC wünschen könntest, welche wäre das ? 

Als Lehrkräfte wünschen wir uns je nach Fach und Schule ganz unterschiedliche Funktionen, das zeigt ja auch unsere Wunschliste. Aber Tabellenrechnen fände ich persönlich sehr sinnvoll.

Ich vermute ja mal, dass auf deinen Schreibtisch immer einiges los ist. Verrätst du uns, woran du zurzeit arbeitest?

Klar, gerade bastele ich Materialien für das große Dino-Paket, von dem Alex in seinem Interview schon berichtet hat. Und dann hab ich aktuell den neuen Lehrerkalender für 2020/21 auf dem Tisch. Das ist aufgrund der Vielzahl an Seiten ein echtes Mammutprojekt, zu dem mich die Meinung der LeserInnen auch brennend interessiert:

Welche Seiten wünscht ihr euch noch für den neuen Lehrerkalender? Und was sollte aus eurer Sicht alles in einem Grundschullogbuch enthalten sein?

Außerdem fände ich es für zukünftige Materialien auch spannend zu erfahren, ob und wie ihr Medien bei der Freiarbeit nutzt. Arbeitet ihr zum Beispiel häufiger mit QR-Codes? Und wenn ja, in welcher Form setzt ihr sie ein? Dahinter kann sich ja alles mögliche verbergen: Lesespuren, Links zu Internetseiten, Videos und und und.  

Eure Rückmeldungen könnt ihr mir gerne einfach als Kommentar hier unter dem Beitrag hinterlassen. Ich freu mich riesig über Input von euch! 

Katrin, kannst du etwa Gedanken lesen? Ich wollte dich gerade fragen, ob du unseren Lehrkräften zum Abschluss noch etwas sagen möchtest. So aber kann ich nur noch hinzufügen: Danke dir für das nette Gespräch! 🙂