19
Nov
2020

Über Titel und Rollen bei SchoolCraft

Vor circa einem Jahr hat Fabian uns bei unserem jährlichen Firmentreffen die Idee vorgestellt, SchoolCraft in ein selbstorganisiertes Unternehmen zu verwandeln. Damals waren wir alle erstmal baff. Was heißt das genau? Wie soll man sich das vorstellen? Kann das denn überhaupt funktionieren?

Schnell war uns klar, dass das nicht „einfach mal so“ gemacht werden kann. Ein Konzept musste her, das sicherstellt, dass wir auch selbstorgansisiert weiter so gut zusammenarbeiten und unsere Ziele erreichen. In dem Punkt waren wir uns direkt einig und das ist, wie man so schön sagt, ein gutes Zeichen und eigentlich auch schon der erste Schritt.

Um sich mit der Freiheit der Selbstorganisation zurecht zu finden, haben wir zunächst einige Systeme und Prozesse erarbeitet, die wir euch hier auf unserem Blog nach und nach auch im Detail vorstellen. Bei uns läuft nämlich manches etwas anders als bei herkömmlichen Firmen und wir hoffen, damit auch andere Unternehmen inspirieren zu können.

Mit dem Beitrag zu unseren Rollen bei SchoolCraft mache ich heute gleich mal den Anfang 🙂 

Aber damit wir uns nicht falsch verstehen: 
Solche Rollen wie auf dem Bild rechts braucht es zwar auch manchmal, aber wir meinen in dem Fall noch etwas anderes mit diesem Begriff.

Was sind denn nun Rollen?

Ganz vereinfacht ausgedrückt ist eine Rolle eine Tätigkeit. Das klingt jetzt vielleicht bescheiden, aber eigentlich steckt viel dahinter. Einer Rolle ist mehr als eine Aufgabe: sie schließt nämlich auch Verantwortung und Kompetenz mit ein (oder zumindest den Willen, sich die Kompetenz auch anzueignen).

Denn um die Aufgaben meiner Rolle auszuführen, brauche ich auch die Freiheit, schwerwiegende Entscheidungen treffen zu können. Die Kompetenz ist wiederum wichtig, damit sichergestellt ist, dass ich überhaupt fähig bin, die Aufgabe auszuführen.

Andere Mitarbeiter*Innen müssen wissen, wer die meiste Ahnung zu einem bestimmten Thema hat, um diese Person um Rat fragen zu können. (Zu unserem Beratungsprinzip erzählen wir euch ein anderes Mal mehr). Rollen dienen also der Aufgabenverteilung, der internen Kommunikation und der Entscheidungsfähigkeit im Sinne der Selbstorganisation. 

Man kann sich eine Rolle vorstellen wie einen Hocker, auf den man sich setzen kann und der diese drei Beinchen hat. Wenn eine Aufgabe nicht alle drei Beinchen hat, dann ist es meistens keine Rolle.

Häufig hat eine Person viel mehr als nur eine einzige Rolle. Das ist ja auch bei anderen Firmen so. Man hat vielleicht den Titel „Sekretär*in“ inne, aber eigentlich macht man noch viel mehr als nur das. Mit dem Ausformulieren der Rollen wird das gesamte Aufgabengebiet einer Person sichtbar und hilft uns dabei, die Arbeit unserer Teammitglieder bewusst wertzuschätzen.

Um klarer zu machen, dass es sich dabei aber nicht um einen Titel handelt, formulieren wir Rollen als aktive Verben. In meinem Fall liest sich das dann zum Beispiel so: Ro: zeichnet Illustrationen für den Worksheet Crafter

Welchen Mehrwert bringen die Rollen?

Als selbstorganisiertes Unternehmen sind wir auf Rollen angewiesen, um uns mit Fragen, Ideen und Projekten an die richtige Person wenden zu können. Es gibt bei uns ja keine Teamleitung, bei der man sich an der Stelle sonst melden würde. Stattdessen sind die Personen, die bei uns die gefragten Rollen innehaben, tatsächlich auch diejenigen, die sich am besten mit dem jeweiligen Thema auskennen. Rollen erhöhen also gleichzeitig auch die Selbstverantwortung des Einzelnen, denn man muss sich, wie der Name schon sagt, innerhalb der eigenen Rolle selbst organisieren.

Das klingt zuerst etwas einschüchternd, aber auf lange Sicht erreicht man dadurch selbstmotivierte und kompetente Mitarbeiter*innen. Dadurch erleben wir bei SchoolCraft dauerhaft viel weniger Bürokratie und mehr konkretes Arbeiten. Weiters wollen wir aber damit auch das wertschätzende Bewusstsein für die Arbeit der Kolleg*innen fördern und unsere eigene Identität von den hierarchischen Titeln lösen.

Rollen sind ja auch etwas ganz anderes als Titel, die wir bei Schoolcraft intern übrigens schon komplett abgeschafft haben. 😉 

Kein Titel, wie bitte?

Genau. Titel führen schnell zu einer Identifikation und dienen künstlichen Hierarchien. Wir haben darum keine Manager*in, Art-Direktor*in oder Chefredakteur*in. Wir entscheiden Dinge je nachdem, wie es Sinn macht als gesamte Firma, als Team oder als Einzelperson, daher ist das „klassische Management“ bei uns gar nicht mehr nötigt. 

Weil die Rollen nichts mit der Identität und dem Wert einer Person zu tun haben, sind sie auch nicht starr. Sie können dynamisch wachsen und getauscht werden, wenn man das möchte. So kann jede*r bei uns tun, was sie oder ihn wirklich begeistert.

Man kann schwierige Rollen miteinander teilen und es bleiben keine Aufgaben liegen. Denn mit einer Rolle geht auch die Verantwortung einher, dass sie ausgeführt wird. Rollen geben uns bei SchoolCraft also nicht nur Orientierung, sondern stellen sicher, dass alle Aufgaben tatsächlich erledigt werden.

Aber um die Kommunikation mit anderen Firmen zu erleichtern, benutzen wir nach außen hin noch manchmal Titel. Wir würden zwar gerne die Welt auf den Kopf stellen, aber das klassische Stellenbezeichnungs-Denken ist kollektiv sehr stark in unseren Köpfen verankert. Oder anders gesagt: Mitarbeiter*innen bei Microsoft können mit formalen Titeln wie „Software-Architekt“ einfach mehr anfangen als mit einer Rollenbezeichnung. 

Rollen sichtbar machen

Damit wir wissen, wer genau welche Rollen bei uns inne hat und welche Rollen gerade frei sind, haben wir ein internes Dashboard entwickelt. Ursprünglich war es hauptsächlich als Tool für die Projektorganisation gedacht, aber dann hat sich herausgestellt, dass es sich auch super für die Darstellung von unseren Rollen eignet.  Und so hat Ike das einfach schnurstracks für uns umgesetzt:

Unser Dashboard ist noch ein „Work in Progress“ und wird von uns ständig erweitert und gepflegt. Wir werden euch an anderer Stelle sicher noch mehr davon berichten, da es das Herzstück unserer Selbstorga darstellt.

Wir wollen aktiv das Bewusstsein für die Rollen fördern und sie nach „außen“ hin sichtbarer machen. Darum werden wir auch auf unserer Über-Uns Seite unsere Aufgaben bald anders beschreiben. Statt formellen Titeln werden wir dann auch dort unsere Tätigkeit über die Rollen veranschaulichen. Dann wird es also nicht mehr heißen Alex: Autor sondern Alex: schreibt unsere Texte. Damit ihr jetzt schon mal wisst, was es mit den künftigen Formulierungen auf sich hat 😉

Wollt ihr noch mehr wissen?

Wie gesagt sind die Rollen nur ein kleiner Teil unserer Selbstorga-Revolution. Wenn ihr dazu noch Fragen habt, könnt ihr uns gerne löchern und einfach einen Kommentar hinterlassen. Weil wir auf dem Gebiet aber natürlich auch keine Autoritäten sind, möchte ich euch zu diesem Thema zusätzlich auch das Buch „Reinventing Organizations“ von Laloux ans Herz legen.

Abgelegt unter: Selbstorganisation

6 Kommentare

6 Antworten zu „Über Titel und Rollen bei SchoolCraft”

  1. Doris sagt:

    Wie immer innivativ und höchst interessant. Ich habe eventuell bald wieder die Möglichkeit ein Team aufzubauen aus dem ich mich nach und nach zurückziehen muss. Der Post kam mal wieder zur rechten Zeit danke für den Input. Nicht aufhören zu lernen und nicht aufhören zu handeln. Liebe Grüße Doris euer Team in Laos 🙂

    1. Support Team sagt:

      Liebe Doris,
      wir freuen uns über deine Nachricht und hoffen es geht dir gut in Laos. Wir freuen uns auch mal wieder was von dir zu hören, lass es dir gutgehen!
      Viele Grüße
      vom Suport-Team

  2. Tabs sagt:

    Cool, entspricht auch viel mehr der nötigen flexiblen Arbeitsweise im digitalen Bereich.
    Schöne Grüße
    Tabea

    1. Ro sagt:

      Hallo Tabea,

      Ja, wir arbeiten ja auch alle über große räumliche Distanz verteilt also vollkommen digital und haben auch in Verbindung damit bisher richtig gute Erfahrung gemacht. Ein paar Tools zum Organisieren sind aber gerade bei dieser Arbeitsweise super wichtig (wie unser Dashboard zB) das Informationen immer an richtiger Stelle ankommen und für alle verfügbar sind.

      Liebe Grüße,
      Ro

  3. Steffi sagt:

    Das klingt wirklich toll und innovativ. Ich beneide euch alle sehr für euer tolles Arbeitsklima. Bei mir auf Arbeit geht es leider sehr hirarchisch zu und somit kann ich von so einer tollen Zusammenarbeit erstmal nur träumen.
    Ihr seid echt ein tolles Unternehmen. Das muss man ganz klar sagen.
    (Erwähnte ich bereits, dass ich ein ganz großer Fan von euch bin?)

    Liebe Grüße,

    Steffi

    1. Ro sagt:

      Liebe Steffi,

      danke für deinen Kommentar. Es freut uns total dass du ein von uns bist!
      Ja, es ist leider echt schwierig Selbstorganisation in einem Unternehmen umzusetzen, dass sehr hirarchisch strukturiert ist. Wir glauben aber ganz fest daran, dass sich dieses Model auch in anderen Firmen verbreiten wird, wenn wir offen darüber reden und zeigen können, dass es wirklich funktioniert.
      Aber es wird wohl noch ein bisschen dauern bis es der Standard ist…

      Wir wünsch dir aber trotzdem eine schöne Arbeitswoche und ein glückliches Miteinander mit deinen Kollegen 🙂

      Viele Grüße,
      Ro

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