25
Feb
2021

Eine Vollmacht für jede*n im Team

Im November hat Ro euch bereits in die Welt der Selbstorganisation bei SchoolCraft entführt. Damals ging es um die Rollen in unserem Unternehmen. Dank der genauen Rollenbeschreibungen in unserem internen Dashboard wissen wir, wer bei uns Ansprechpartner für welches Thema ist. 

Jede*r im Team bekommt nach einer gewissen Einarbeitungszeit auch eine Vollmacht und unsere Selbstorganisation-Verfassung. Klingt erstmal trocken, ist es aber gar nicht. Sicher haben die wenigsten von euch schon mal so ein Dokument gesehen. In dieser 2-seitigen Verfassung halten wir die rechtlichen Rahmenbedingungen unserer Philosophie fest. Was dürfen wir, was dürfen wir nicht? Nach Unterzeichnung der Vollmacht kann jede*r im Team Verträge abschließen, um beispielsweise Projekte durchführen oder Organisatorisches wie z.B. Teamtreffen vornehmen zu können.  

Was bedeutet die Vollmacht für uns in der Praxis?

Natürlich kann damit nicht jede*r mal eben so einen Vertrag für irgendetwas unterschreiben. Hier kommt nämlich unser Beratungsprozess ins Spiel. Ein zentraler Bestandteil unserer Selbstorganisation liegt darin, Kolleg*innen um Rat zu fragen. In der Praxis kann das beispielsweise so aussehen:

Ich habe eine richtig gute Idee für neue Sounds in Worksheet Go! und habe mir einen Kostenvoranschlag geholt. Weil die Anforderungen an die Sounds sehr speziell sind, müssen Teile von einem Orchester eingespielt werden. Aus diesem Grund kostet das Vorhaben ziemlich viel Geld. Weil wir Entscheidungen, deren Ausgang andere im Team betreffen, nicht alleine angehen, muss ich mir von mindestens 2 Personengruppen dazu Rat einholen:

  1. Die Personen, die von meiner Entscheidung am direktesten betroffen sind
  2. Die Personen, die in diesem Gebiet die größte Expertise haben

Es ist wichtig, dass ich mich darauf verlassen kann, ehrliches Feedback aus dem Team zu bekommen. Potentielle Bedenken und Einwände muss ich ernst nehmen. Aber: am Ende entscheide ich, ob mein Projekt startet oder nicht. Das bedeutet nicht, dass ich wahllos Geld in irgendwelche fixen Ideen stecken kann. Das Feedback meiner Kolleg*innen ist ein wichtiger Pfeiler in meiner Entscheidungsfindung. Und ab einer bestimmten Summe muss ohnehin das gesamte Team informiert und um Rat gefragt werden. Bei einer Idee, die die Firma ins Wanken bringen könnte, gibt es das Veto-Recht durch unseren Gründer Fabian. Damit sichern wir uns rechtlich ab. 

Wer jeweils die größte Expertise hat, wird durch unsere Rollen im Dashboard klar. In meinem Beispiel frage ich also auf jeden Fall die Person, die unsere Finanzen bewacht. Können wir uns mein Vorhaben leisten? Hält die Person das für sinnvoll? Als zweites frage ich bei auch noch die Grund- und Förderschullehrerinnen aus unserem Team. Sie können ziemlich gut einschätzen, ob sich die Tragweite am Ende tatsächlich lohnt. Würde auch ein kleineres Format ausreichen und wäre die Summe sinnvoll investiert? 

Klar ist auch, dass mein Projekt transparent ist. In unserem Dashboard werden neue Projekte eingetragen, sodass alle sie sehen können. Verträge o.ä. werden auf unserem Server abgelegt. Auch damit ermöglicht man den Kolleg*innen, zu sehen, um was und wie viel es hier geht.  

Welche Vorteile ergeben sich aus diesem Entscheidungsprozess?

  • Bessere Entscheidungen: Die Chance, die beste Entscheidung zu treffen, ist beim Beratungsprozess größer als beim traditionellen „Top-Down-Ansatz“. Die zu entscheidende Person ist typischerweise näher an der Praxis dran und muss mit den Konsequenzen leben. Und die Beratung stellt sicher, dass die Entscheidungsgrundlage vorhanden ist.
  • Mutige Entscheidungen: Wir erhalten keine verwässerten Kompromisse, welche die Wünsche aller Personen berücksichtigen. 
  • Wertschätzung: Um Rat gefragte Personen fühlen sich wertgeschätzt. Sie spüren, dass ihre Kompetenz anerkannt wird. Und lernen gleichzeitig selbst etwas über das zu entscheidende Thema.
  • Lernen: Die Beratung ist gleichzeitig ein kontinuierlicher Lernprozess. Wir geben das Expertenwissen weiter.
  • Spaß: Der Prozess kann für die Entscheider*innen richtig Spaß machen. Die Kombination aus Entscheidungsfreiheit und Team-Sport in Form der Beratung rockt.

Und was, wenn die Entscheidung doch daneben war?

Natürlich trage ich für den Ausgang des Projekts die Verantwortung. Ich muss mir über die Risiken im Klaren sein und sie so gut es geht von vorneherein abfedern. Und wenn es doch mal daneben geht, trotz Zuspruch meiner Berater*innen? Das kann passieren und es gehört dazu, Fehler zu machen, sie zu analysieren und daraus zu lernen.

Sollte ich mich gegen den ganz deutlichen Rat aus dem Team dennoch entschieden haben, das Projekt durchzuboxen und es geht in die Hose, sodass ein großer Scherbenhaufen entstanden ist, der schon nicht mehr zu retten ist: gar nicht gut. Das Team kann dadurch das Vertrauen in mich verlieren und sich unter Umständen von mir trennen. Im Übrigen greift hier auch unser sogenannter Konfliktlösungsprozess. Über den werden wir sicher in Zukunft auch noch berichten. 

Im Kern wollen wir mit unserem Beratungsprozess dazu auffordern, mutig eigene Entscheidungen zu treffen – nicht willkürlich und ohne Plan. Sondern mit Bedacht und mit dem Rat der Kolleg*innen. Und damit gelingt es, dass Entscheidungen nicht von oben nach unten delegiert werden. In der Selbstorganisation gibt es kein „oben“ und „unten“. Das motiviert ungemein und ist für mich einer der wichtigsten Pfeiler in der Selbstorga. 

Abgelegt unter: Selbstorganisation

3 Kommentare

3 Antworten zu „Eine Vollmacht für jede*n im Team”

  1. Timo sagt:

    Liebe WSCler,
    ich freue mich für euch, dass ihr so begeistert von dem eingeschlagenen Weg eurer internen Organisationsstruktur seid! Ich verstehe natürlich auch, dass man, so es sich um etwas so innovatives handelt, die Umwelt davon in Kenntnis setzen möchte. Dennoch muss ich leider sagen, dass es für mich als Anwender, der hauptsächlich an einem gut funktionierenden Programm interessiert ist weniger relevant ist, wie bei euch Entscheidungen ihren Weg finden, als dass ich ein gutes Produkt habe. Und das bekommen wir von euch zuverlässig seit Jahren! Unabhängig davon, wie ihr intern organisiert seid.
    Natürlich ist das grundsätzlich interessant, aber mich würde vielmehr interessieren, an welchen Projekten ihr arbeitet, worauf man sich freuen kann! Das ist für mich relevanter.
    Außerdem fällt mir auf, dass die Infos über diese Plattform hier nur noch sehr spärlich kommen. Jemand, der kein Facebook oder so etwas nutzt fühlt sich hier etwas abgehängt. Die Infos, die ihr früher öfter hier gepostet habt, waren für mich immer sehr interessant, das hat etwas nachgelassen.
    Darüber hinaus warte ich seit 10 Jahren auf einen Aufgabengenerator für größer/kleiner Relationen. Das würde mich mal wieder richtig nach vorne bringen. Wie weit seid ihr damit?
    Dennoch bedanke ich mich natürlich für eure hervorragende Arbeit, die meine Arbeit schon so lange zuverlässig unterstützt!
    Weiter so!

    1. Romy sagt:

      Lieber Timo,

      ein herzliches Dankeschön für dein offenes und konstruktives Feedback. Wir entwickeln mit ganz viel Herzblut den Worksheet Crafter für euch weiter. Als Firma haben wir dabei drei große Ziele: Euch die Arbeit mit dem Programm die Arbeit zu erleichtern, mit unseren Materialien die Weltoffenheit und Neugier von Kindern zu fördern und eben auch andere Gründer*innen und Unternehmen zu inspirieren. Genau darum geben wir auf unserem Blog auch Einblicke in unsere Selbstorganisation.

      Weiterhin berichten wir hier natürlich auch über neue Pakete, umfangreichere Paket-Updates oder wenn dein Worksheet Crafter wieder neue Funktionen bekommen hat. Kleinere Neuerungen wie zum Beispiel die Ergänzung einer einzelnen Illustration oder praktische Benutzungstipps für den Worksheet Crafter geben in der Regel nicht genug Infos her für einen Blogbeitrag. Daher teilen wir sie nur auf Social Media. Ich gebe dir aber recht, dass es schön wäre, wenn du diese Infos auch über unsere Website sehen könntest – schließlich ist nicht jede*r bei Social Media. Ich mache mir mal Gedanken, ob und wie wir euch mittelfristig eine Darstellung über die Website oder den Blog möglich machen können.

      Den Generator für größer und kleiner Relationen haben wir schon auf der Wunschliste und ich notiere auf jeden Fall für die Entwickler, dass du dir die Funktion auch sehnlichst wünscht. Da die Wunschliste aber ziemlich lang ist, kann ich dir leider nicht versprechen, wann wir den Wunsch verwirklichen werden. Du kannst dir aber sicher sein, dass wir die Idee auf dem Schirm haben.

      Liebe Grüße
      Romy

    2. Martina sagt:

      Danke Timo, dass das hier so klar geschrieben hast, denn das ist genau auch meine Wahrnehmung. Ich gehöre zu den WSC-Nutzern von Anfang an, ich hatte das Programm schon als es noch Arbeitsblattprofi hieß. Die Diskussionen im Zaubereinmaleinsforum und auch hier fand ich sehr spannend und gewinnbringend. So einen Austausch vermisse ich hier sehr und finde es auch schade, dass jetzt anscheinend vor allem auf Facebook und Instagram mit den Kunden kommuniziert wird, denn diese Kanäle meide ich aus persönlichen Gründen und bin damit von den aktuellen Diskussionen komplett abgehängt. Hier ist leider kaum noch was los. Allerdings laden die Beiträge, die hier veröffentlicht werden auch nicht mehr zu einem inhaltlichen Austausch ein. Wie sich ein Unternehmen intern organisiert und welche Hobbys Firmenmitglieder haben, interessiert mich wirklich nicht, wenn ich mir ein Programm kaufe, um Arbeitsblätter zu erstellen. Ich würde mich sehr über Anwendungstipps und -tricks freuen. Ich fände es auch toll, wenn manchmal auch einfach die Funktionen vorgestellt werden, denn bei den vielen Möglichkeiten verliert man doch immer wieder einiges aus den Augen, das man nicht regelmäßig nutzt. Eine Kollegin hat mich zB letztes darauf aufmerksam gemacht, dass man ABs mit einem Kommentar versehen kann. Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm und habe mich über diesen Hinweis sehr gefreut. So etwas könnte ich mir hier auch vorstellen. Mich intensiv mit einer bestimmten Art der Unternehmenskultur auseinanderzusetzen bringt uns Lehrern einfach wenig, denn wir arbeiten in sehr starren und wenig flexiblen Arbeitsverhältnissen, an denen wir nichts ändern können.
      Ich freue mich, wenn es mal wieder mehr Inhalte gibt, die etwas mit SChule zu tun haben!

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