17
Nov
2015

9 Seriösitäts-Warnzeichen, die man bei Recherchen im Internet unbedingt beachten sollte

Das Internet ist ein Wissensschatz, der die Vorbereitung und Recherche für LehrerInnen (und fast alle anderen Berufe) enorm erleichtert. Besonders für Wissensfächer wie Sachkunde oder bei aktuellen Entwicklungen, die eine Erweiterung oder Aktualisierung von Unterrichtsmaterialien erfordern, ist es nicht mehr wegzudenken.

Aber: Wie bei allen Medien (egal ob Buch, Zeitschrift, Film oder Internet) müssen die recherchierten Informationen vom Leser gefiltert und geprüft werden. Bei der Unterrichtsvorbereitung liegt diese Verantwortung natürlich beim Lehrenden.

Viel läuft hier über die Intuition ab (vor allem bei Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind), aber es ist auch wichtig, die Seriösität von Seiten und Informationen bewusst beurteilen zu können. Das gibt euch zum einen konkrete Werkzeuge an die Hand, wenn ihr euch einmal unsicher bei einer Webseite seid. Zum anderen könnt ihr diese Medienkompetenz dann auch den Kindern vermitteln.

Deswegen zeige ich euch hier die 9 wichtigsten Warnzeichen für unseriöse Internetseiten und -quellen:

1. Urheber unbekannt

Finger weg von Seiten, bei denen der Urheber unklar ist. Schaut immer nach: Gibt es eine „Über uns“-Seite? Geht wenigstens aus dem Impressum der Anbieter hervor? Die nächste Frage ist dann natürlich, welche Expertise die AutorInnen haben.

Verlässliche Webseiten für die Recherche und Unterrichtsvorbereitung sind: Seiten von Universitäten, Forschungsinstituten (z.B. Max-Planck-Institut), Bundeseinrichtungen (z.B. die BzgA), Museen, Landesbildungsserver, Blogs von Wissenschaftlern und anderen Experten (in ihrem Fachgebiet) oder angesehene Fachzeitschriften.

Auch bei solchen angesehenen Seiten schadet es allerdings nie, Informationen gegenzuchecken (siehe Warnzeichen Nr. 4). Fehler können schließlich auch den Besten passieren.

Tipp: Sucht auch im englischsprachigen Netz, das erweitert die Zahl der guten Seiten, die euch zur Verfügung stehen, enorm! (Weil es einfach viel mehr englische Seiten als deutsche gibt.)

2. Keine Quellen

Achtet darauf, ob die Seite seriöse Quellen nennt oder am besten gleich darauf verlinkt (Beispiele für seriöse Quellen findet ihr im vorigen Abschnitt).

Im Grundschulbereich ist das kein absolutes Muss, weil das entsprechende Wissen oft noch unter Allgemeinwissen fällt. Aber wenn zu fehlenden Quellen noch mehr Warnzeichen dazukommen, ist Vorsicht geboten.

Tipp: Die auf Wikipedia angeführten Quellen zum Artikel liefern oftmals sehr gute Seiten, um sich tiefergehend zu informieren.

 

3. Veraltete Seite

Eine veraltete Seite erkennt man zum Beispiel an:

  • altmodischem Design (sieht die Seite aus wie von 2005 oder gar aus den 90ern? Wer animierte Tierchen oder ähnlich Cartoons sieht, sollte schleunigst kehrtmachen)
  • dem Datum der letzten Aktualisierung
  • bei einem Blog dem Datum des letzten Beitrags
  • veralteten Angaben (wenn zum Beispiel Pluto noch der neunte Planet ist)

 

4. Besteht den Faktencheck nicht

magnifying-glass-975633_1920Prüft stichprobenartig einige der Informationen auf der Seite immer auch auf anderen Webseiten – am besten Seiten, deren Seriösität und Verlässlichkeit möglichst sicher ist. Wenn sich bestimmte Informationen sonst nirgends finden oder den Angaben anderer Seiten widersprechen, solltet ihr eure Recherchen lieber woanders durchführen.

Am besten benutzt ihr sogar mehrere unterschiedliche Seiten für Faktenchecks.

 

 

5. Übermäßige Werbung und Co.

Ein wenig Werbung ist nicht unbedingt schlimm, irgendwie müssen Seitenbetreiber ihre Webseite ja finanzieren. Gibt es jedoch mehr Werbung als Inhalte, ist das durchaus ein ernsthaftes Warnzeichen. Gleiches gilt auch für Popups und Download-Aufrufe. Je aufdringlicher solche Bereiche sind (farbig, blinkend oder gar mit von selbst startenden Musik oder Videos), desto stärker ist die Warnung.

Tipp: Wer einen Adblocker installiert hat, kann oben rechts im Browser die Zahl der blockierten Werbungen für jede Seite sehen.

 

6. Direkter Interessenskonflikt

Auch Unternehmensseiten können eine gute Informationsquelle sein. Schwierig wird es, wenn direkt ein Interessenskonflikt besteht.

Nehmen wir an, ihr wollt euch für eine Lehreinheit zum Thema Ernährung & Gesundheit darüber informieren, was Kinder essen sollten, um genügend Vitamine zu sich zu nehmen. Dann ist ein Anbieter von Vitamintabletten keine gute Quelle für die Recherche. Ein Unternehmen, dass verschiedene Sportkurse für Kinder anbietet, wäre weniger fragwürdig – wenn es die sonstigen Tests besteht.

 

 

7. Seltsame Domainendung

Auch bestimmte Domainendungen können ein Warnzeichen sein. Die Domainendung ist das, was bei der Internetadresse nach dem Punkt kommt. Manche Domains von kleinen Staaten wie Togo (.to) oder Vanatu (.vu) werden gerne von unseriösen Anbietern genutzt, weil sie dadurch besser anonym bleiben können. Bei einer unbekannten Domainendung sollte man also kurz googeln, was es damit auf sich hat.

Das heißt natürlich nicht, dass Seiten mit üblichen Endungen wie .de oder .com automatisch seriös sind.

Tipp: Im englischsprachigen Netz gibt es die speziellen Endungen .edu für Seiten von Schulen & Unis und .gov für Regierungsseiten.

8. Anzeigefehler und andere technische Mängel

Werden Teile der Webseite (zum Beispiel Bilder) nicht richtig angezeigt oder laden nicht? Gibt es Anzeigeprobleme wie Überlappungen zwischen Texten/Bildern? Funktionieren Links nicht? Das sind alles Anzeichen dafür, dass die Seite veraltet ist (siehe oben), nicht gepflegt wird oder von einem Laien erstellt wurde.

Meistens bemerkt man das intuitiv schnell daran, dass man von der Seite genervt ist und die Mausklicks mit längerem Verweilen auf der Seite kontinuierlich aggressiver werden.

 

9. Schlechte Textqualität

Natürlich muss der Text einer informativen Seiten keinen literarischen Ansprüchen genügen. Aber übermäßige Rechtschreib- und Grammatikfehler können Hinweise auf eine maschinelle Übersetzung sein, wie sie fast nur von unseriösen Seiten genutzt wird.

Oder es handelt sich einfach um mangelnde Sorgfalt. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit für sachliche Fehler.

Wenn ihr also das Bedürfnis bekommt, den Rotstift rauszuholen, aufgepasst!

 

So, jetzt seid ihr gewappnet!

Frage an euch: Was war die amüsanteste Art, wie ihr bisher einer unseriösen Webseite auf die Schliche gekommen seid? War es ein absurder ‚Fakt‘, den ihr entlarvt habt? Hat sich der Urheber als verrückter Verschwörungstheoretiker herausgestellt? Erzählt uns eure beste Geschichte in den Kommentaren! Ich bin gespannt!